Frachtschiffreise 2024

Frachtschiffreise 2024

Hamburg – Brevik – Oslo -Bremerhaven

Eine Frachtschiff-Reise stand schon länger auf unserer Bucket-List. Anfang des Jahres habe ich die Agentur angeschrieben und unsere Wunschroute im Urlaubszeitfenster angefragt. Sie hatten die perfekte Reise für uns im Angebot und wir sagten sofort zu.

Eine Frachtschiffreise lässt sich nur ungefähr planen, genaue Zeiten gibt es erst wenige Tage vor Abfahrt. Montag Mittag kam der Anruf mit allen nötigen Infos, Mittwoch in der Früh sollten wir eingeschifft werden. Angereist sind wir mit dem ÖPNV – eine sehr kluge Entscheidung wie sich später noch rausstellen sollte.

Angekommen im Hamburger Hafen – Burchhardkai

Angekommen im Hafen fragen wir uns bis zum richtigen Terminal durch, wurden vom Shuttle zum Schiff gefahren, am Kai von einem Crewmitglied an Board gebracht und dort standen wir erstmal allein herum. Bei einer Frachtschiffreise gibt es kein Touristen-Programm, man lebt mit der Crew zusammen. Während wir dem hektischen Treiben im Hafen zuschauten, kam ein Mann in Freizeitkleidung auf uns zu und stellte sich als Kapitän vor. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung durften wir uns an Board frei bewegen, hatten natürlich Zugang zur Brücke und durften alle mit unseren Fragen löchern.

Besprochen wurde die Route: Es sollte in einer Woche von Hamburg über Bremerhaven – Moss – Brevik – nach Oslo gehen und von dort nach Hamburg zurück. Während das Schiff gelöscht wurde durften wir an Land gehen, vorausgesetzt, dass wir nach Absprache wieder pünktlich an Board wären. Die Containerterminals sind allerdings alle fernab von touristischen Punkten, sodass wir lange Fußmärsche bis zur Innenstadt in Kauf nahmen (oder ggf. auf ein Taxi zurückgreifen müssten). Nachdem wir unsere saubere und großzügige Kabine bezogen hatten setzte sich der Frachter auch schon in Bewegung. Ziel: Bremerhaven. Schon oft sind wir entlang der Elbe geradelt, auf so einem großen Schiff von der Wasserseite ist das was ganz anderes. Aber hier zeigte sich schon: Eine Reise auf einem Container-Riesen geht nicht schnell. Eher die Entdeckung der Langsamkeit.

Zehn Stunden später landeten wir in Bremerhaven und durften von Board gehen. Abends sollte die Reise über die Nordsee Richtung Oslo-Fjord fortgesetzt werden, also durften wir den Tag in Bremerhaven verbringen. Zurück an Board bei Blick auf einen wunderschönen Sonnenuntergang gab es die erste Planänderung: Ein Zwischenauftrag ist dazwischen gekommen, statt über die Nordsee fahren wir durch den Nordostsee-Kanal und bremsen in Dänemark. Für den Kapitän ein lästiges Übel, für uns eine ganz wunderbare Überraschung. Eine Fahrt durch den NOK hatten wir uns gewünscht. Auch hier lernten wir: Eine Frachtschiffreise ist geprägt von Planänderungen.

In Dänemark und Moss waren es nur kurze nächtliche Stopps, bei denen wir gar nicht bzw. nur kurz von Board gegangen sind. In Moss überhaupt kein Problem, da wir uns mit einem Zahlencode selbst Zugang zum Hafen verschaffen konnten und uns dort frei bewegen durften. Als einzige Passagiere an Board (er-) kannte uns inzwischen ohnehin jeder.

Auf dem Weg Richtung Oslo-Fjord gab es genug Gelegenheiten, das Boot zu erkunden. Auf der Brücke kannten wir uns inzwischen ganz gut aus. Hier haben wir Kapitän, Lotsen und Offiziere schon ganz mit unseren Fragen gelöchert. In den Maschinenraum durften wir allerdings nur mit Begleitung durch den Chef. Hat er aber gern gemacht. Ich war fasziniert von der Größe der Maschinerie und vor allem der Sauberkeit. Hab mir einen Maschinenraum eher dreckig und ölig vorgestellt.

Die Brücke, rechts sitzt der Kapitän

Auf der Reise durch den Oslofjord hatten wir Zeit zum lesen, zum quatschen oder einfach aufs Wasser zu schauen. Von Ruhe kann hier keine Rede sein, ein Containerschiff ist fürchterlich laut, es wummert mit 130 Schlägen pro Minute in einem dumpfen Gedröhne.

Einen weiteren Punkt von der Bucket-List können wir übrigens auch streichen: Zum Sommersonnenwende nach Skandinavien. Wir waren in Brevik, saßen bei einem gemütlichen Kaltgetränk (alkoholfrei natürlich. An Board herrscht absolutes Alkoholverbot!) auf unserem Lieblingsbänkchen auf der Brücke, quatschen mit dem Kapitän über alles Mögliche und Unmögliche und genossen den Blick über die vielen kleinen Lagerfeuer zum Sankt-Hans-Fest.

Brevik – ein gemütliches Hafenörtchen

Der letzte Hafen sollte Oslo werden. Hier hatten wir leider nur ein paar Stunden Aufenthalt, wollten es uns aber nicht nehmen lassen, kurz in die Innenstadt zu schlendern. Ziel war die Oper. Bei strahlendem Sonnenschein schauten wir hier dem sommerlichen Treiben zu.

Oslo Impressionen – erinnert an die Hamburger Hafencity

Zurück an Board gab es die letzte von vielen Planänderungen der letzten Woche. Aufgrund der Verzögerung durch die Fahrt durch den Nordostseekanal wird der Hamburger Hafen nicht angelaufen. Für uns würde die Reise am nächsten Tag in Bremerhaven enden.

Für uns war es eine perfekte kleine Auszeit aus dem Alltagstrubel mit großartigen Einblicken in eine uns völlig fremde Welt mit eigenen Regeln. Wir wurden unfassbar lieb an Board aufgenommen, lecker bekocht, hatten Zeit für uns ohne Termine und mangels Handyempfang auf See keine Reize von außen und sind ein bisschen schlauer zuhause angekommen.

Verlinkt bei der Urlaubslinkparty bei Nähfrosch

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