La Palma

La Palma

La Palma ist die nordwestlichste und eine der jüngsten geologischen Inseln der Kanaren. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs – der Vulkanismus ist aktuell stark an mehreren Kratern und Lavaströmen zu sehen.

Für uns ist La Palma eine Herzens-Insel mit Schönwetter-Garantie. Eine willkommene Auszeit und Unterbrechung des langen grauen norddeutschen Winters. Inzwischen sind wir zum dritten Mal hier.

Karneval

Ganz zufällig sind wir hier zum Ende (und damit dem Höhepunkt) der Karnevalszeit. An sich interessieren uns die närrischen Tage in Norddeutschland nicht so sehr, aber hier auf den Kanaren gibts einen großen Umzug der örtlichen Tanzschulen. Ein kunterbuntes Treiben, alle feiern zusammen. Sicherheitsmaßnahmen: Zwei Polizisten leiten mit Leuchtstäben den Verkehr im Kreisel um. Keine Absperrung, keine Betonpoller, höchstens ein trauriges kleines Flatterband.

Das Highlight: Das Begräbnis der Sardine (Entierro de la Sardina). Auf La Palma ein Riesenspektakel. Hier werden Humor und Tradition vereint und die Fastenzeit eingeläutet. Im Mittelpunkt steht ein riesiger Fisch aus Pappmaché, der unter lautem Gejohle und rhythmischem Getrommel zum Strand gebracht und um den herum gefeiert wird bevor er dann in Flammen aufgeht.

Vulkantour Tajagaite

Im September 2021 kam es nach jahrzehnte langer Ruhe zu einem Vulkanausbruch. Der Tajagaite (den Namen bekam der Vulkan 2022 und bedeutet gespaltener Fels) fing nach vorherigem Gebrodel und einigen Erdbeeben an Lava zu spucken. Der Ausbruch gilt als einer der größten und längsten La Palmas. Auch wir haben damals vor den Live-Webcams gehangen – fasziniert und geschockt zugleich.

Blick von der anderen Seite – der Vulkankrater mit Lavastrom bis zum Meer

Der neue Krater und die Lavaströme sind so präsent, dass wir uns entschieden haben, eine geführte Tour zum Krater zu machen. Das Gebiet rund um den Vulkan ist das best-erforschteste Gebiet der Kanaren (um beim nächsten Mal noch besser vorbereitet zu sein), sodass das Gebiet nur noch mit einem Guide betreten werden darf. Theresa lebt seit 20 Jahren auf den Kanaren und hat den Ausbruch selbst miterlebt. So konnte sie nicht nur die wissenschaftlichen Fakten präsentieren sondern auch mit viel Emotion vom Ausbruch berichten.

Das Ziel ist in Sicht!
Einer der Nebenkrater, inzwischen eingestürzt

Hier ein deutliches Vorher/ Nachher Bild. Rechts der Lavastrom, der das Dorf und die Bananenplantagen komplett unter sich begraben hat, links der nicht zerstörte Teil (und so sah es unter dem Lavafeld vorher auch aus).

Unterwegs gibt es stets Infos und persönliche Erfahrungen. Hier und da dampft es sogar noch aus den kleineren Lavahöhlen. Und man sieht das Chaos, das angerichtet wurde. Theresa erzählte uns, dass man die Höhe der wirtschaftlichen Schäden noch gar nicht beziffern könne, geschätzt zwischen einer und zwei Milliarden Euro.

Kaum vorstellbar, dass der Boden nun knapp 60cm höher liegt. Deutlich hier am Hinweisschild zu sehen, was eigentlich weit über Kopfhöhe angebracht ist.

Mitten auf der Tour fing es kräftig an zu regnen. Normal – sagt Theresa. Hier oben kann sich das Wetter schnell ändern. Macht nix, wann ist man denn schonmal über einem Regenbogen?!

Caldera de Taburiente

DAS Herzstück der Insel!

Vor etwa 2 Millionen Jahren brach hier ein Vulkan durch die Meeresoberfläche und erreichte eine Höhe von knapp 2500 Metern. Fast eine Million Jahre später brach der Vulkankegel ein. Heute ist die Caldera ein Naturschutzgebiet mit angelegten Wanderwegen. Der Kraterrand ist mit dem Roque de las Muchachos die höchste Erhebung der Insel. Hier oben wurde ein Observatorium gebaut, was zu einem strengen Lichtkonzept auf der ganzen Insel geführt hat.

Aus Wettergründen durften wir dieses Jahr die Wanderung nicht angehen – die Bilder stammen aus dem letzten Urlaub. Da die Caldera Wanderung zu einem La Palma Urlaub aber (für uns) dazugehört, mag ich euch die Bilder nicht vorenthalten.

Die komplette Runde ist ca. 13 Kilometer lang und beinhaltet 1400m Abstieg und 500m Aufstieg – ca. 7 Stunden reine Wanderzeit sollte man einplanen. Und entsprechend Verpflegung und feste Schuhe im Gepäck haben. Das Auto lässt man auf dem Parkplatz stehen und wird von einem Shuttle zum Start der Wanderung in die Berge gefahren.

Los gehts durch einen einen grünen Kiefernwald auf steilen, aber gut ausgebauten Wanderwegen.

Lava-Brocken säumen den Weg. Der kleine weiße Punkt bin ich.

Im Kessel befindet sich ein kleiner Zeltplatz mit einer Touristeninformation. Wir wollten einen kleinen Abstecher zu den Cascades de Colores machen, einem Wasserfall der durch das eisenhaltige Wasser bunt verfärbt wurde. Der Guide gibt das okay, mahnte aber eindringlich sich nicht zu lang dort aufzuhalten – Steinschlag-Gefahr!

Nach dem kleinen Abstecher verändert sich die Vegetation. Weg vom idyllischen Kiefernwald gehts nun weiter durch ein mehr oder weniger ausgetrocknetes Flussbett, dem Barranco de las Angustias.

Vorbei am Idafe- Felsen, dem Roque de Idafe – eine Kultstätte der Ureinwohner. Die Guanchen glaubten an ein Unheil sollte der Felsen einstürzen.

Die letzten 5km sind die beschwerlichsten, fand ich. Irgendwann habe ich festgestellt, dass meine Wanderschuhe wasserdicht sind, sodass ich das hin- und herspringen neben dem Wasser eingestellt habe und einfach durch den Fluss gelaufen bin.

Geschafft! Vor dem Sonnenuntergang haben wir es aus der Schlucht herausgeschafft.

Tazacorte

Ich mag das Örtchen! Zum einen hat man hier fast immer die Schön-Wetter-Garantie, zum anderen ist es hier nicht so überlaufen, wenn auch die deutsche Sprache deutlich öfter zu hören ist als vor 10 Jahren. In den kleinen Gassen entdecken wir täglich Neues – vom Supermarkt für den täglichen Bedarf bis hin zu kleinen Cafés und Tapas-Bars zum es sich gutgehen lassen. Und: Es gibt einen Zugang zum Strand! Die Steilküsten ringsherum sind charakteristisch für die Insel, aber Puerto de Tazacorte liegt auf Meereshöhe. Kleine Buchten aus schwarzem (Vulkan-) Sand fern des Massentourismus laden zum verweilen ein.

Von leichtem Zugang zum Strand war nie die Rede!
Sieht schlimmer aus als es ist

Aber auch hier gibt es Veränderungen. Es wurden auf einer riesigen Fläche zwei Anleger für Kreuzfahrtschiffe gebraut, Theresa erzählte uns, dass 2018 hier ein Luxusdampfer mit 100 Passagieren festgemacht hat und selbst da sei die Infrastruktur überfordert gewesen. Zum anderen wurden hier viele Fischzucht-Becken inclusive großer Fabrikhallen installiert. Pro Reuse werden bis zu 250.000 Fische gezüchtet, die zum Teil nicht mal heimisch sind – zum Großteil fürs europäische Festland. Was einen für einen erheblichen Verkehr sorgt. So viele 40-Tonnen LKW auf den engen Serpentinenstraßen sind mir früher nicht aufgefallen. Von den Auswirkungen auf Umwelt und Ökosystem mal ganz zu schweigen.

Hinter den beiden Anlegern sind noch 30 weitere Reusen gebaut worden.

Der Puerto ist aber auch ein Startpunkt für eine wunderbare Wanderung. Auf Meereshöhe startet der Anstieg zum Mirador del Time – bis auf 594m Höhe. Ein steiler Serpentien-Wanderweg führt entlang der Steilklippe. Obwohl der Wanderweg gut ausgebaut ist bedarf es hier einiger Trittsicherheit. Oben gibts ein Café und wird man mit einer phantastischen Aussicht belohnt – Kaffee und Kuchen schmecken gleich doppelt gut!

Da gehts rauf!
Die Hälfte ist geschafft!
Belohnungskuchen mit Aussicht

Vor ein paar Jahren hat der WDR auf La Palma gedreht und behauptet, hier gäbe es den besten Barraquito. Lecker ist er und die Aussicht dabei ist unschlagbar.

Wem der Aufstieg zu anstrengend ist und nur den Abstieg angehen möchte kann sich mit dem Bus direkt vor die Tür des Cafés fahren lassen. Auch wenn die Busfahrpläne ein kleines Abenteuer sind, an solchen Bushaltestellen lässt es sich doch prima warten.

Los Llanos die Aridane

Los Llanos ist die nächstgrößere Stadt und das wirtschaftliche Zentrum im Westen der Insel. Hätte der Lavastrom seine Richtung nur leicht verändert und die Gemeinde getroffen hätte sich die Insel davon nicht mehr erholt – sagt Theresa.

Wir sind mit dem Bus von Tazacorte hoch nach Los Llanos gefahren. Die Parkplatz-Situation ist uns zu stressig. Busfahren ist auf der Insel wirklich günstig, man muss es aber einmal verstanden haben. An den Haltestellen hängen die Abfahrtszeiten der Starthaltestelle und die grobe Fahrtdauer bis zu einigen der größeren Haltestellen. Wann der Bus dann bei der eigenen Haltestelle ankommt muss man selbst ausrechnen. Wir sind ein bisschen durch die Stadt geschlendert und abends dann nach Tazacorte zurückgelaufen. Ging ja nur noch bergab.

Die Stadt ist geprägt von kleinen Plätzen mit riesigen Bäumen und Gassen mit gemütlichen Cafés. An den größeren Wohnhäusern sieht man wunderschöne Gemälde, die zum Glück noch nicht den Graffiti-Schmierereien zum Opfer gefallen sind.

Typische Optik der Gassen

Und mittendrin ein kleiner Park mit den wahrscheinlich hübschesten Toilletenräumen.

Salinas de Fuencaliente

Die Salinen von Fuencaliente liegen an der Südspitze La Palmas und ist ein riesiges Becken zur Salzgewinnung. Hier kommen alle wichtigen Faktoren wie Sonne, wenig Wind und kaum Regen zusammen. Abgesehen davon liegt hier ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel. Sie gehört zum Naturdenkmal Los Volcanes de Teneguía und liegt direkt neben dem Leuchturm.

Durch die Saline kann man laufen, Infotafeln im Rundgang erklären wichtige Prozesse der Salzgewinnung.

Die rosa Farbe kommt vom Bakterium Dunaliella Salina, was extra extra gezüchtet wird und u.a. für die Farbe der Flamingos sorgt
Blick über die Saline

Puerto de Puntagorda

Am Wochenende ist in Puntagorda Markt – einheimische Produkte und Handwerkskunst. Und leider schon lange kein Geheimtipp mehr unter den Touristen. Auch wir werfen uns ins Getümmel. Mit Glück sprechen die Marktfrauen einen Brocken Deutsch oder Englisch, sonst wird eben mit Händen kommuniziert.

Von außen ist die Markthalle unscheinbar

Heute hatten wir uns in der Zeit vertan und waren eine Stunde zu früh vor Ort. Im Getümmel vor Ort warten fanden wir wenig verlockend. Auf dem Weg hierher hatten wir einen Abzweiger zum Puerto de Puntagorda gesehen – was uns ein wenig gewundert hat, immerhin sind wir hier ca. 700 Meter hoch. Ein Rund-Wanderweg von ca. 10km war ausgeschildert, wir haben uns ausnahmsweise entschieden, das Auto ein bisschen zu quälen. Über abenteuerliche Serpentinen sind wir an einem kleinen Parkplatz angekommen, ab hier mussten wir zu Fuß weiter. Ca. 400m Luftlinie und noch 200 Höhenmeter, die über gut ausgebaute Stufen zu überwinden waren.

Ein bisschen Motivation unterwegs

Unter Hafen verstehen wir zwar etwas anderes, hier handelt es sich um eine alte Anlegestelle und einen kleinen Rockpool. Und eine phantastische Aussicht.

In die Felsen sind Casitas gebaut – einfache Sommerhäuser der Einheimischen. Von außen sieht man allerdings nur Türen und kleine Fenster.

Und sonst?

La Palma ist steil! Es gibt kaum ebene Stellen, entweder geht es steil bergauf oder eben bergab. Los Llanos heißt eigentlich Die Ebene – Eben ist hier gar nix.

Das kanarische Nationalgericht. Papas Arrugadas con Mojo Rojo – salzige Runzelkartoffeln mit roter Soße. Gibts überall, schmeckt immer lecker, aber immer anders. Wenn jemand ein authentisches Rezept für das Mojo hat – bitte her damit.

Eine typische palmerische Bucht. Schwarzer Sand umgeben von Lavagestein.

Diese Fliesenwände gibt es überall. Egal ob Markplatz, Brunnen oder Treppenhäuser – alles ist mit farbenfrohen Fliesen dekoriert. Manche sehen darin Fliesen, oft sehe ich darin Quiltmuster.

Bananen, Bananen, Bananen – Monokultur par excellence! In jeder freien Ecke werden Bananen angebaut. Die kanarische Banane ist deutlich kleiner, süßer und aromatischer als unsere gewohnte Importbanane. Leider schafft es die kanarische Banane nicht in unsere heimischen Supermärkte.

Plastik ohne Ende. Auch wenn die Supermärkte zur Plastikvermeidung aufrufen – so wirklich dran halten tut sich hier niemand. Lose Lebensmittel werden in Plastik verpackt und in Einweg-Tüten nach Hause transportiert. Wasser gibt es nur in Plastikflaschen und da das Leistungswasser stark gechlort wird braucht es zum Kochen Wasser aus 5 Liter Kanistern. Natürlich aus Plastik. Wir haben es versucht – Kaffee aus gechlorten Leitungswasser ist scheußlich! Selbst das Zähneputzen ist grenzwertig.

Auch beim dritten La Palma Besuch gab es für uns viel Neues zu entdecken. Viel bekanntes haben wir dafür diesmal nicht geschafft: Die südliche Vulkanrunde zum Beispiel. Oder durch die Kiefernwälder im Norden spazieren. Oder in die Piratenbucht. Oder alles östlich des Tunnels… Vieles ist durch die Folgen des Vulkanausbruchs und den damit verbundenen Bauarbeiten gesperrt. Das Wetter hat uns hier und da auch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und wenn wir hier eins gelernt haben: Hört auf die Locals. Wenn ein Wanderweg gesperrt ist gibts dafür gute Gründe.

La Palma ist voller geworden, deutlich zu spüren am Straßenverkehr durch die engen Gassen. Man hört viel Deutsch in den Cafés. Ein bisschen mehr Industrie gibt’s auch. La Palma erholt sich langsam vom langen Lockdown und den Reisebeschränkungen durch den Vulkanausbruch. Dennoch ist die Insel aktuell weit entfernt von Massentourismus. Wir kommen auch ein viertes Mal wieder.

Kein Urlaub am Ozean ohne Sonnenuntergangsbild!

Ich bedanke mich fürs Lesen und wünsch euch einen schönen Abend. Bis zum nächsten Mal!

Der Vollständigkeit halber: Das ist keine Werbung. Die Reise haben wir selbst bezahlt und organisiert. Für Empfehlungen vor Ort gab es keine Kohle, wir mochten es einfach dort.

Verlinkt bei der Urlaubslinkparty bei Nähfrosch

5 Kommentare zu „La Palma

  1. Einfach ☀️🍀👍
    Uns kreativ.
    Tolle Fotos und man sieht ihr genießt euren Urlaub 🍀

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