Syddanmark – Ein Kurzurlaub in der Flensburger Förde
Es ist kein großes Geheimnis, dass ich meinen Urlaub in den Wintermonaten am Liebsten im Süden verbringe. Schönwetter -Garantie auf La Palma oder der relaxte Lebensstil Australiens mag ich sehr. Im Sommer bleiben wir für gewöhnlich in Deutschland und verbringen die Zeit mit lieben Menschen. Dieses Jahr hatten wir eigentlich eine Familien-Rundreise geplant – zuerst zu meiner Familie nach Nordhessen dann weiter zur Familie des Herzensmann ins Siegerland. Nur haben beide Familien anderen Pläne und verbringen unsere erste Urlaubswoche unabhängig voneinander in Italien.
Grund genug für uns mal wieder ein paar Tage nach Dänemark zu fahren. Ein völlig unterschätztes Urlaubsland (zumindest im Sommer) – finde ich. Nur gut zwei Autostunden von uns entfernt und trotzdem sind wir hier zu selten.
Schon kurz nach dem Überqueren der Grenze macht sich sich Entspannung breit. Auf der Autobahn hört das Gedränge auf, um die Straßen gibts mehr Grünflächen und weniger bebaute Fläche. Auch als Radfahrer ist es hier angenehmer: Man ist einfach Teil des Straßenverkehrs mit allen Rechten und Pflichten. Kein Wegdrängen oder Anhupen.
Sonderburg ist eine Stadt in der Region Syddanmark in Dänemark unweit der deutschen Grenze und Teil der Flensburger Förde. Unsere Unterkunft haben wir diesmal in Broager, einer kleinen Halbinsel ca. 10 Kilometer vor Sonderburg.
Broager
Broager ist eine kleine Ortschaft mit ca. 3200 Einwohnern. Schon von Weitem sieht man die große Kirche mit dem gotischen Doppelturm. Aufgrund der hohen Lage ist sie eigentlich von überall aus sichtbar, auch wir haben uns immer wieder an den markanten Kirchturmspitzen orientiert. Rund um die Entstehung der Kirche gibt es mehrere Sagen, die bekannteste auf deutscher und dänischer Seite ist jedoch, dass ein frommer Ritter auf eigene Kosten eine Kirche erbauen lies und vor seinem Kreuzzug seine schwangere Frau bat, den Bau der Kirche fortzuführen. Sollte sie einen Sohn gebären solle sie einen spitzen Turm, bei einer Tochter einen stumpfen Turm errichten lassen. Seine Frau tat ihm den Gefallen: Sie bekam Zwillings-Jungs!



Das Glockenhaus. Wurde errichtet weil der Kirchturm für die drei Glocken zu instabil war.
Ein paar Minuten von Broager entfernt gibt es einen Zugang zum Strand. Den Vemmingbund. Heut war es zwar ruhig hier, aber die typischen Tourismus-Buden lassen deutlich mehr Betrieb bei schönerem Wetter erahnen.

Dubbøl Mølle
Auf dem Weg nach Sonderburg radeln wir hier vorbei. Die Düppeler Mühle ist auch eine Landmarke kurz vor Sonderburg. Die Mühle hat eine spannende Geschichte zwischen Kriegen, Blitzeinschlägen und Kurzschlüssen hinter sich – war aber bis 1990 in Betrieb und wurde fünf Jahre später zum Museum. Wer mit dem Auto nicht nach Sonderburg reinfahren möchte, kann es hier auf dem großen Parkplatz stehen lassen und den Rest zu Fuß gehen oder radeln.

Sønderborg
Auch wenn wir die Stadt schon mal besucht haben schlendern wir hier gern durch die Gassen und lassen uns treiben. Ein paar Eindrücke

Die Solotrappen – eins der Wahrzeichen der Stadt. Der Künstler Kristian Vodder Svensson hat eine gewöhnliche graue Treppe mit viel Farbe in eine Naturlandschaft verwandelt. Der Clou: Das Kunstwerk sieht man nur von unten

Der Blick aus dem 16. Stock des Alsik Hotels auf die Förde und das Schloss sind beeindruckend. Das Schöne: Der Besuch der Aussichtsplatzform ist kostenlos. Man muss lediglich online einen Timeslot buchen.

Schloss
Ich muss gestehen, ich war noch nie in dem Schloss. Etliche Male drumherum gelaufen und im Schlossgarten die Sonne genossen, aber für einen Besuch hat es noch nicht gereicht. Ein paar Infos im Schnelldurchgang: Gebaut im 12. Jahrhundert vom dänischen König gegen seeräuberische Angriffe. Ein paar Jahrhunderte Kriege, Auseinandersetzungen und Reformen später wurde Anfang des 20. Jahrhunderts ein Museum daraus.

Gendarmstien
oder zu deutsch: Gendarmenpfad ist heute ein etwa 84 Kilometer langer teils unbefestigter Wanderweg und gehört zum europäischen Fernwanderweg E6. Früher wurde dieser Pfad zur Überwachung der deutsch-dänischen Grenze gedacht. Die dänischen Grenzgendarme nutzten den Gendarmstien für Patrouillengänge, die sie abschnittsweise zu Fuß zurücklegen mussten. Der Wanderweg verläuft in unmittelbarer Nähe zur Küste weshalb es hier richtig hübsche Ecken gibt.
Einen (kleinen) Teil des Weges sind wir gelaufen, das Fahrrad ist an einigen Stellen echt nicht zum empfehlen. Ein paar Eindrücke:



Augustenborg
Auf der Insel Als liegt die Stadt Augustenburg – am Augustenborg-Fjord. Bis 2006 einständig verwaltet gehört die Stadt nach einer Kommunalreform jetzt zur Region Sonderburg.
Auch hier gibt es ein Schloss aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. 1921 wurde es an den dänischen Staat verkauft und wurde zwischendurch als Nervenheilanstalt genutzt. Seit 2016 übernahm das Landwirtschaftsministerium das Gebäude. Bei unserem Besuch war hier Baustelle wegen Dachdeckerarbeiten.

Ausnahmsweise durften wir einen Blick in die Schlosskirche werfen. Die Kapelle ist eher schlicht gehalten, dafür ist die Orgel umso imposanter

Auch hier gibts Zugang zum Wasser. Für diesen Mini-Strandabschnitt mussten wir allerdings ein gutes Stück wandern.

Vielleicht habt ihr ja auch Lust, die Region Sonderburg zu besuchen und hab schöne Ecken für euch entdeckt. Lasst es mich gern wissen.
Das ist mein Beitrag zum Thema Unterwegs im Jahresbingo, bei den Glücksmomenten und Nähfrosch