18 Jahre

18 Jahre

Neue Flora…

Fast mein gesamtes Arbeitsleben verbringe ich in diesem Theater. Damals war ich Mitte 20, jung und knackig – heute nicht mehr ganz so… jung (knacken tut es schon, aber lassen wir das…)

Viel ist passiert in der Zeit. Angefangen habe ich mit Tarzan, aktuell spielt wieder Tarzan.

Und zwischendurch sechs weitere Shows.

Acht Shows heißt acht Umbauten mit acht mal Muskelkater vom Feinsten, acht Mal eine neue Show lernen, acht mal Druck und Anspannung vor einer Premiere genauso wie acht Mal diese Erleichterung wenn dem Publikum die Show gefällt und sich die Schufterei der vergangenen Wochen auszahlt.

Hier ein Script zum Lernen der Show. Es wird ständig etwas geändert, sodass meine Skripte irgendwann aus bunten Pfeilen und Strichen bestehen. Das Blaulicht ist die normale Arbeitshelligkeit.

Beim Umbau wird die bestehende Show und alles was damit zusammenhängt ausgebaut und herausgerissen. Das Theater ist dann fast nackig. Unsere Lager und Werkstätten sind natürlich für diese Mengen an Material viel zu klein, sodass wir die komplette untere Ebene des Foyers belagern.

Hier kommt das sogenannte Mother-Grid herunter, um die Antriebe für die kommende Show zu konfigurieren. Für uns ist das immer ein ehrfürchtiger Moment, wenn die „Mutti“ mal runterkommt.

Unvergessen sind diese Gänsehaut-Momente nach Cave of Wonder oder Love Triangle wenn 2000 Menschen unter uns während der Show aufspringen, den Saal zum Beben bringen und sich einfach nicht mehr einkriegen wollen. 

Schattenbild von der Seitenbühne der unfassbaren Trapeznummer im Cirque du Soleil Musical.

Und zwischendurch eine lange Zwangspause bedingt durch eine klitzekleine Pandemie. 

Ätzende Zeit. Die schwarze Maske hat so gestunken, war auf der (Seiten-) Bühne aber Pflicht.

In 18 Jahren waren wir Teil des Dschungels, haben den Maskenmann durch die Pariser Unterwelt gescheucht, das Publikum in die Magie von tausendundeiner Nacht entführt, mit den Cirque du Soleil Akrobaten das Unmögliche geschafft, jeden Abend Hexen geschmolzen oder Abba-Songs geträllert. Letztens waren wir Teil der griechischen Mythologie und aktuell unterstützen wir Tarzan wieder auf der Suche nach seiner Identität. In zwei Monaten gehts für uns dann in die Modewelt nach Paris und New York.

Das Wicked Set zum Dienstbeginn. Alles, was Funk hat muss geladen werden und wird deshalb nach Showende auf Bodenniveau gefahren. Hier startet grad unser Lichtcheck – Kollege wartet schon mit einer Ersatzlampe, die gleich getauscht werden muss.
Das Mamma Mia Set, das nachdem alle Gewerke ihre Checks gefahren haben auf den Beginn der Vorstellung wartet.
Die Herucles Säulen während unseres Lichtchecks. Ich finde es immer wieder erschreckend, wie nüchtern so eine Show im Arbeitslicht aussieht.

Viel gelernt habe ich in den 18 Jahren. Über Licht und Technik und Theater allgemein, vor allem Menschenkenntnis gewonnen und manchmal auch, wie man sich früh morgens als Lichtdouble im Spinnennetz fühlt. 

Unser damaliger Technischer Leiter war sehr um meine Sicherheit besorgt und kontrolliert nochmals den korrekten Sitz des Gurtes.

Liebgewonnene Kollegen sind gegangen, andere sind dazu gekommen. Hier ein Abschiedsgeschenk an eine liebe Kollegin, die uns vor einem halben Jahr verlassen hat.

Und eigentlich wollte ich nur ein halbes Jahr bleiben…

Verlinkt bei den Glücksmomenten

Disclaimer: Ich markiere den Beitrag als Werbung, da ich meinen Arbeitgeber indirekt nenne. Ich werde dafür nicht bezahlt, möchte für mich nur den Moment der 18 Jahre festhalten.

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